Das Forschungskolleg Humanwissenschaften: Veranstaltungen

Mittwoch, 21.11.2012, 19:00-20:30 Uhr
Vortragsraum im Kolleggebäude

Forschungskolleg Humanwissenschaften
Öffentlicher Vortrag

Reinhard Schmidt (House of Finance, Goethe-Universität)
»Banken für alle? Mikrofinanzierung zwischen Wohltätigkeit und Profit«

Redner
rnProfessor Dr. Dr. h. c. Reinhard H. Schmidt ist Professor für Finanzwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt sowie Inhaber der Stiftungsprofessur für Finance and Accounting am House of Finance der Universität. Neben seinen Forschungen zur Mikrofinanzierung beschäftigt er sich mit Fragen der Inst itutionen-Ökonomie sowie mit Strategien und Strukturen internationaler Un-ternehmen. Er ist Experte für Finanzierungstheorie, Internationale Wirtschaftsbeziehungen und deren Regulierung. Im Mittelpunkt seiner gegenwärtigen Forschungen stehen die Finanzsysteme der Industrie- und Entwicklungsländer, wobei er besonders den Vergleich europäischer Systeme im Blick hat.

rnrnEinführung
rnProfessor Dr. Klaus Günther lehrt Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Er ist Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg Humanwissenschaften und Co-Sprecher des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« an der Goethe-Universität.

rnrnZum Vortrag
rnVor sechs Jahren wurde der Friedensnobelpreis an Professor Muhammad Yunus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grammen Bank vergeben. Sie hatten etwas entwickelt, was geeignet schien, die extreme Armut vieler Menschen in Entwicklungsländern zu mindern: die so genannte Mikrofinanzierung. Der Begriff bezeichnet das Angebot von ganz kleinen Krediten und Sparmöglichkeiten an Menschen, die für die traditionellen Banken als Kunden nicht interessant sind. rnMikrokredite können doch ethisch nur gut sein, sagten damals alle. Aber längst nicht alle meinten, dass man sie so betreiben sollte, wie es Yunus mit seiner Bank vorgemacht hatte. Viele von ihnen vertraten einen so genannten »kommerziellen Ansatz« der Mikrofinanzierung, und sie meinten, man könne viel mehr Menschen helfen, wenn sich Mikrofinanzinstitutionen eher geschäftsmäßig und nicht nur als Wohltätigkeitsorganisationen verhielten. Auch diese Position ist ethisch respektabel und zudem überzeugt sie jeden, der ökonomisch denkt. rnrn

So weit, so gut. Aber in einigen Fällen ist die kommerzielle Orientierung zu weit gegangen, und der frühere ethische und entwicklungspolitische Anspruch ist mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Wenn es, wie in Indien, zu Selbstmorden kommt, weil arme Leute die Last der ihnen aufgedrängten Kredite nicht mehr tragen können, wird plötzlich nicht nur der »kommerzielle Ansatz«, sondern die ganze Mikrofinanzierung ethisch fragwürdig. Da stehen wir heute.

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Der Finanzexperte Schmidt zeichnet in seinem Vortrag diese Entwicklung nach und zeigt am Ende, wie die negativen Folgen der nach seiner Meinung unvermeidbaren geschäftsmäßigen Ausrichtung eingegrenzt werden können und wie sich dadurch der ethische und entwick-lungspolitische Anspruch der Mikrofinanzierung doch bewahren lässt.

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Um Anmeldung wird gebeten.
rnBitte kontaktieren Sie Herrn Andreas Reichhardt: a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, Tel.: 06172/13977-16, Fax: 06172/13977-39.



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