Bad Homburg Conferences
Kindheit und Gewalt. Wie können wir eine Kultur des Wegsehens überwinden?
Sabine Andresen, Beatrice Brunhöber, Christine Freitag, Christof Mandry und Ferdinand Sutterlüty (Wissenschaftliche Leitung); Kerstin Claus (Keynote)
Worum es geht
Kindern widerfährt Gewalt. Dies ist kein Phänomen der Vergangenheit, sondern Realität in der heutigen modernen Gesellschaft. In Deutschland haben Kinder seit dem Jahr 2000 das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen. Doch nach wie vor erleben viele von ihnen Formen emotionaler, körperlicher und sexualisierter Gewalt. Für Betroffene bedeutet dies traumatische Erfahrungen und Konsequenzen für das gesamte Leben. Besonders gilt dies für sexualisierte Gewalt. Die Aufdeckung der Missbrauchskomplexe in den letzten Jahren bis in die jüngste Vergangenheit hinein haben lange verdeckte Dimensionen kindlichen Leids offengelegt. Kinder und Jugendliche erfahren Gewalt im familiären Umfeld, in Institutionen oder auch unter Gleichaltrigen. Beratungsstellen weisen darauf hin, dass während des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie – verbunden mit der Schließung von Kitas und Schulen – Fälle häuslicher Gewalt gegen Kinder anstiegen. Die bekannt gewordenen Fälle bilden jedoch nur ein Hellfeld, dem ein ungleich größeres Dunkelfeld gegenübersteht. Wir als Gesellschaft sind nicht nur Zeugen dieser Gewalt, sondern haben eine eigene Rolle gegenüber Opfern und Tätern, indem wir eine Kultur des Wegsehens pflegen und so Strukturen schaffen, die Missbrauch und Verletzung von Kindern und Jugendlichen ermöglichen.
Die Bad Homburg Conference 2022 rückt das Thema Kindheit und Gewalt ins Zentrum und bringt Betroffene, Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um über die konkrete Erfahrung von Gewalt zu berichten, gewaltbegünstigende Strukturen und Verhaltensmuster in unserer Gesellschaft zu analysieren und gemeinsam zu überlegen, wie wir die Kultur des Wegsehens überwinden können.
Kontakt
Iris Helene Koban, Geschäftsführerin, Forschungskolleg Humanwissenschaften (i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de)
Dr. Thomas Schimmer, wissenschaftlicher Projektreferent, Forschungskolleg Humanwissenschaften (t.schimmer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de)