Podiumsdiskussion über den Beginn des Ersten Weltkrieges
Eröffnung des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften

In der Praxis hatte das Historische Kolleg am Forschungskolleg Humanwissenschaften seine Arbeit bereits aufgenommen. Am 23. Mai wurde es mit der Podiumsdiskussion »Europa 2014. Der Weg ins Unbekannte« nun auch ganz offiziell eröffnet.


Ansgar Schulz, Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Bad Homburg, Vertretung von Oberbürgermeister Michael Korwisi, beim einleitenden Grußwort

Prof. Dr. Gustavo Corni (Universität Trient/Italien), Prof. Dr. Gerd Krumeich (Universität Freiburg i.Br.), Prof. Dr. Annika Mombauer (Universität Milton Keynes/Großbritannien), Prof. Dr. Christopher Clark (Universität Cambridge/Großbritannien) und Prof. Dr. Frédéric Rousseau (Universität Montpellier/Frankreich) – fünf der führenden Experten zur Geschichte des Ersten Weltkriegs diskutierten unter der Moderation von Professor Andreas Fahrmeir, wissenschaftlichem Koordinator des Historischen Kollegs, über zwei Fragen: »Was bestimmte den Weg, der 1914 in die Katastrophe führte?« und »Inwieweit war es für die Zeitgenossen und vor allem für die Entscheidungsträger absehbar, auf was sie sich ab dem Frühsommer des Jahres einließen?«

Während Gustavo Corni darlegte, dass Italien ein Jahr später sehenden Auges in den Krieg zog, argumentierte Gerd Krumeich, dass die meisten europäischen Entscheidungsträger zwar bewusst den Krieg wählten, diesen jedoch mit aller Macht verhindert hätten, hätten sie das Ausmaß der Katastrophe auch nur erahnen können. Krieg per se sei aber im Gegensatz zu heute nicht verpönt gewesen, ergänzte Annika Mombauer. Sie wies darauf hin, wie wichtig es für die heutige Beschäftigung mit dem Krieg sei, die damaligen Mentalitäten nachvollziehen zu können. In den Augen Christopher Clarks waren es aber nicht in erster Linie die tief verankerten Strukturen, wie die große Verbreitung und Akzeptanz sozialdarwinistischer Ideen, sondern vor allem rasche, schlagartige, wie etwa durch die Balkankriege verursachte, Veränderungen, welche für die Julikrise ausschlaggebend gewesen seien. Frédéric Rousseau wiederum nannte gerade die großen Diskursen des langen 19. Jahrhunderts, wie Sozialdarwinismus, Imperialismus und Kolonialismus, als gewichtigste Faktoren.

Das Publikum griff die Thesen vom Podium im Anschluss angeregt auf. Weitestgehend Konsens war, dass ein bewusstes ›Spiel mit dem Feuer‹ den Ersten Weltkrieg zu verantworten hätte.

Die vorangehenden Grußworte verorteten die Bedeutung der Historie im Allgemeinen sowie vor allem des Historischen Kollegs im Besonderen in Region, Öffentlichkeit und Wissenschaft. Professor Matthias Lutz-Bachmann, Wissenschaftlicher Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Vizepräsident der Goethe-Universität, dankte insbesondere den Sponsoren des Historischen Kollegs Dagmar Westberg (Frankfurt), Stadt Bad Homburg v.d.Höhe und Stefan Quandt (Bad Homburg). Ohne sie könnte das anspruchsvolle Programm des Kollegs nicht verwirklicht werden. Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises, machte deutlich, wie sehr die Region traditionell mit der Aneignung von Wissen insbesondere über Geschichte verflochten sei und welch hohen Stellenwert der Kreis dieser beimesse. Der Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Bad Homburgs überbrachte die Glückwünsche des Oberbürgermeisters Michael Korwisi anlässlich der Eröffnung des Historischen Kollegs und betonte, wie wichtig die Aufarbeitung der Geschichte sei, wozu die Stadt Bad Homburg im Rahmen des Historischen Kollegs mit der Förderung des diesjährigen Themenschwerpunkts »Die Welt um 1914« beitrage.

Die Podiumsdiskussion war zugleich der Abschluss der gleichnamigen internationalen Tagung unter Leitung von Professor Christoph Cornelißen von der Goethe-Universität. Sie war der Frage gewidmet, wie die Bevölkerungen im Sommer 1914 den Weg in den Krieg erlebten, und beleuchtete die sozialen, kulturellen sowie politischen Leitbilder dieser Zeit. Das Historische Kolleg war einer der Förderer der Tagung.

(FKH - 28.05.2014)